Orchideen in Thüringen

Orchideen in Thüringen

Orchideen in Thüringen

Orchideenporträts: Einige der einheimischen Schönheiten näher betrachtet

Wenn Sie im Mai und Juni durch Thüringens Wiesen und Wälder wandern, lohnt sich ein genauer Blick nach unten – denn hier offenbaren sich wahre Kleinode der Natur. Thüringen ist eine der Orchideen-Hochburgen Deutschlands, und gerade jetzt, in den Frühjahrsmonaten, zeigen die einheimischen Arten ihre ganze Pracht. Über 50 verschiedene Orchideenarten gedeihen auf den kalkhaltigen Böden des Freistaats – von zarten Frauenschuhen bis zu eleganten Knabenkräutern.

Was viele nicht wissen: Diese faszinierenden Pflanzen sind echte Überlebenskünstler und gleichzeitig äußerst gefährdet. Wer sie entdecken möchte, sollte wissen, wo und wann sie blühen – und vor allem, wie man sie richtig beobachtet, ohne ihnen zu schaden.

In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige der schönsten einheimischen Orchideenarten vor und in weiteren Artikeln verraten wir Ihnen Thüringer Wanderungen zur Orchideenblüte.

Gruppe 1: Die Knabenkräuter

Purpur Knabenkraut

Purpurknabenkraut (Anacamptis purpurea)

Das Purpurknabenkraut ist eine der größten heimischen Orchideen und fällt durch seine intensiv purpurroten bis violetten Blüten sofort ins Auge. Die Pflanze wird 30 bis 60 cm hoch und trägt dicht gedrängte Blüten in einer charakteristischen zylindrischen Ähre. Die grundständigen Blätter sind lang und schmal. Das Purpurknabenkraut blüht von Mai bis Juni und bevorzugt sonnige, trockene Standorte – genau wie sie im Leutratal zu finden sind. Der Name „Knabenkraut“ bezieht sich auf die beiden Wurzelknollen, die der Pflanze ein besonderes Aussehen verleihen.

Helmknabenkraut (Orchis militaris)

Mit seinem Namen verweist das Helmknabenkraut auf die charakteristische Form seiner Blüten: Die oberen Blütenblätter neigen sich helmförmig nach innen und sind meist in zartem Hellrosa gefärbt, durchzogen von feinen roten Nerven. Die Pflanze wird 20 bis 40 cm hoch und trägt lockerer angeordnete Blüten als das Purpurknabenkraut. Das Helmknabenkraut blüht ebenfalls von Mai bis Juni und bevorzugt ähnliche Standorte. Ein besonderes Merkmal: Die Lippe der Blüte ist weiß bis hellrosa und trägt rote Flöckchen, die wie kleine Härchen wirken – eine Anpassung, um Insekten zur Bestäubung anzulocken.

Blasses Knabenkraut (Orchis pallens)

Das Blasse Knabenkraut ist eine zierliche Orchidee mit einer charakteristischen, rein gelben Färbung ohne jegliche Zeichnung oder Musterung. Die Pflanze wird 15 bis 40 cm hoch und trägt einen dichten, relativ kurzen Blütenstand mit etwa 10 bis 30 Blüten. Diese riechen holunderartig und sind besonders auffällig durch ihre leuchtend gelbe Farbe. Das Blasse Knabenkraut blüht von Mitte April bis Mitte Juni – es gehört zu den früher blühenden Arten im Leutratal. Ein besonderes Merkmal: Im Sporn der Blüten wird kein Nektar angeboten, was die Bestäubung erschwert. Die Blütezeit ist mit 2–3 Wochen relativ kurz, daher sollte man die Augen offenhalten, um diese schöne Art nicht zu verpassen.

Bastard-Knabenkraut (Neotinea tridentata)

Das Bastard-Knabenkraut ist eine seltene Orchidee, die sich durch ihre kompakte Wuchsform und die dicht gedrängten, kleinen Blüten auszeichnet. Die Pflanze wird 10 bis 30 cm hoch und trägt Blüten in Weiß bis zartem Rosa mit feinen roten Flöckchen. Das Bastard-Knabenkraut blüht von Ende April bis Ende Mai und bevorzugt trockene, sonnige Standorte. Es ist eine der selteneren Arten im Leutratal und daher ein besonderer Fund für aufmerksame Wanderer.

Großes Zweiblatt (Listera ovata)

Das Große Zweiblatt ist eine zierliche Orchidee, die sich deutlich von den Knabenkräutern unterscheidet. Charakteristisch sind die zwei großen, gegenständig angeordneten Blätter, von denen die Pflanze ihren Namen hat. Die Blüten sind klein, grünlich und in einer lockeren Traube angeordnet. Das Große Zweiblatt wird 20 bis 50 cm hoch und blüht von Mai bis Juni. Es bevorzugt halbschattige Standorte und ist weniger an trockene Böden gebunden als die Knabenkräuter. Im Leutratal findet man es in den lichteren Waldbereichen.

Gruppe 2: Die seltenen Kostbarkeiten

Orchideen Frauenschau

Frauenschuh (Cypripedium calceolus) – Das Highlight

Der Frauenschuh ist die Königin unter den europäischen Orchideen und das absolute Highlight einer Wanderung durch das Leutratal. Mit bis zu 4 cm Durchmesser trägt diese Orchidee die größten Blüten aller europäischen Orchideenarten. Namensgebend ist die charakteristische, schuhförmig ausgebildete Lippe in leuchtendem Gelb, umgeben von braunen bis purpurroten Blütenblättern. Die Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch und trägt meist nur eine, manchmal aber auch bis zu drei Blüten pro Trieb.

Der Frauenschuh blüht von Ende Mai bis Mitte Juni und bevorzugt lichte Kiefernwälder auf Muschelkalkböden – ideale Bedingungen, die das Leutratal bietet. Die Bestäubung erfolgt durch Sandbienen, die durch den speziellen Blütenbau in die Blüte gelockt werden. Der Frauenschuh ist in vielen Regionen Europas stark gefährdet und steht unter strengem Naturschutz. Ein Exemplar im Leutratal zu entdecken, ist daher ein besonderes Glück und ein unvergessliches Erlebnis.

Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis)

Die Vogelnestwurz ist eine ungewöhnliche Orchidee: Sie ist ein Vollschmarotzer und enthält kein Chlorophyll. Daher ist sie nicht grün, sondern braun bis gelblich gefärbt. Der Name bezieht sich auf das Aussehen der Wurzeln, die wirr durcheinander wie ein Vogelnest angeordnet sind. Die Pflanze wird 20 bis 40 cm hoch und trägt kleine, unauffällige Blüten in einer dichten Traube. Sie blüht von Mai bis Juni und bevorzugt schattige Standorte in Laub- und Nadelwäldern. Die Vogelnestwurz ist selten und faszinierend zugleich – ein botanisches Rätsel, das viele Wanderer fasziniert.

Korallenwurz (Corallorhiza trifida)

Die Korallenwurz ist eine weitere Orchidee ohne Chlorophyll und daher ebenfalls ein Vollschmarotzer. Sie verdankt ihren Namen der korallenhaft verzweigten Wurzel. Die Pflanze wird nur 10 bis 20 cm hoch und trägt kleine, grünlich-gelbe bis rötliche Blüten in einer lockeren Traube. Die Korallenwurz blüht von Mai bis Juni und bevorzugt feuchte, schattige Standorte in Wäldern. Sie ist eine der kleinsten Orchideen im Leutratal und leicht zu übersehen – wer sie entdeckt, hat einen besonderen Fund gemacht.

Gruppe 3: Die Zarten und Feinen

Orchideen Weißes Waldvögelein

Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium)

Das Weiße Waldvöglein ist eine elegante Orchidee mit zarten, weiß bis cremegelb gefärbten Blüten. Die Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch und trägt mehrere Blüten in einer lockeren Traube. Charakteristisch sind die parallelnervigen, grundständigen Blätter. Das Weiße Waldvöglein blüht von Mai bis Juni und bevorzugt lichte Laub- und Nadelwälder. Im Leutratal findet man es in den Waldbereichen mit ausreichend Licht. Die Pflanze ist eine Charakterart des Orchideen-Buchenwaldes und zeigt gute Standortbedingungen an.

Bleiches Waldvöglein (Cephalanthera damasonium)

Das Bleiche Waldvöglein – auch Weißes Waldvöglein genannt – ist eine schlanke, ausdauernde Orchidee mit verdickter Wurzel. Die Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch und trägt weiß bis cremegelb gefärbte Blüten in einer lockeren Traube. Die Blüten sind etwas größer und offener als beim Weißen Waldvöglein. Das Bleiche Waldvöglein blüht von Mitte Mai bis Mitte Juni und bevorzugt lichte Laub- und Nadelwälder. Im Leutratal ist es eine häufigere Art und daher ein guter Anfang für Orchideenbeobachter.

Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Die Bocksriemenzunge ist eine außergewöhnliche Orchidee mit einem charakteristischen Duft, der an Ziegenbock erinnert – daher der Name. Die Pflanze wird 30 bis 60 cm hoch und trägt dicht gedrängte Blüten in einer zylindrischen Ähre. Die Blüten sind grünlich bis rötlich gefärbt und die Lippe ist lang und riemenförmig. Die Bocksriemenzunge blüht von Mai bis Juni und bevorzugt sonnige, trockene Standorte. Sie ist eine seltene Orchidee, deren Vorkommen im Leutratal besonders wertvoll ist.

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera)

Die Fliegenragwurz ist eine Meisterin der Täuschung. Ihre Blüten sehen einer Fliege täuschend ähnlich und locken männliche Fliegen zur Bestäubung an. Die Pflanze wird 20 bis 40 cm hoch und trägt mehrere kleine Blüten in einer lockeren Traube. Die Blüten sind dunkelbraun bis schwarz mit glänzenden Flecken, die wie Augen wirken. Die Fliegenragwurz blüht von Mai bis Juni und bevorzugt sonnige, trockene Standorte. Im Leutratal ist sie eine häufigere Art und daher ein guter Anfang für Orchideenbeobachter.

Gruppe 4: Die Ragwurzen – Meister der Insektentäuschung

Spinnen Ragwurz

Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes)

Die Spinnen-Ragwurz ist eine faszinierende Orchidee, die ihre Bestäuber durch perfekte Nachahmung täuscht. Ihre Blüten sehen einer Spinne täuschend ähnlich und locken männliche Grabwespen zur Bestäubung an. Die Pflanze wird 15 bis 40 cm hoch und trägt mehrere kleine Blüten in einer lockeren Traube. Die Blüten haben gelb bis grünliche äußere Blütenblätter und eine dunkelbraun bis schwarze Lippe mit charakteristischen glänzenden Flecken und Mustern. Die Spinnen-Ragwurz blüht von April bis Juni und bevorzugt sonnige, trockene Standorte. Sie gehört zu den früher blühenden Ragwurz-Arten und ist daher bereits im April zu finden.

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Die Bienen-Ragwurz ist eine weitere Meisterin der Insektentäuschung. Ihre Blüten ähneln einer Biene so täuschend, dass männliche Bienen versuchen, sich mit ihnen zu paaren – und dabei unwillkürlich zur Bestäubung beitragen. Die Pflanze wird 15 bis 40 cm hoch und trägt mehrere kleine Blüten in einer lockeren Traube. Die Blüten haben gelb bis grünliche äußere Blütenblätter und eine dunkelbraun bis schwarze Lippe mit charakteristischen Mustern, die einer Biene ähneln. Die Bienen-Ragwurz blüht von Mai bis Juni und bevorzugt sonnige, trockene Standorte. Sie ist eine häufigere Ragwurz-Art im Leutratal.

Gruppe 5: Die seltenen Schätze

Braunrote sitter

Braunrote Sitter (Epipactis atrorubens)

Die Braunrote Sitter ist eine elegante Orchidee mit charakteristischen dunkelrot bis braunrot gefärbten Blüten. Die Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch und trägt mehrere Blüten in einer lockeren Traube. Die Blüten sind klein und zierlich, mit einer charakteristischen Lippe, die beweglich ist und bei Insektenbesuch reagiert. Die Braunrote Sitter blüht von Mai bis Juli und bevorzugt trockene, sonnige Standorte auf Muschelkalkböden. Sie ist eine seltene Art im Leutratal und daher ein besonderer Fund für aufmerksame Wanderer.

Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)

Die Weiße Waldhyazinthe ist eine elegante Orchidee mit zarten, weißen bis grünlich-weißen Blüten, die einen angenehmen Duft verströmen. Die Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch und trägt mehrere Blüten in einer lockeren bis dicht gedrängten Traube. Charakteristisch sind die zwei grundständigen Blätter. Die Weiße Waldhyazinthe blüht von Mai bis Juli und bevorzugt halbschattige bis schattige Standorte in Wäldern und auf Wiesen. Sie ist eine häufigere Art im Leutratal und daher ein guter Anfang für Orchideenbeobachter.

P.S. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, sind natur- und wanderbegeistert, aber keine Botaniker oder Wissenschaftler. Sollten sich daher Fehler eingeschlichen haben dann bitte gern schreiben.

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