Der Weihnachtsberg im Thüringer Wald

Der Weihnachtsberg im Thüringer Wald

Der Weihnachtsberg im Thüringer Wald

Der Weihnachtsberg im Thüringer Wald – Wo die Sterne näher sind

Ein Berg, der Geschichten flüstert

Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem schneebedeckten Gipfel, um Sie herum nichts als Stille. Die Luft ist so klar, dass Sie das Knirschen des Schnees unter Ihren Stiefeln hören. Über Ihnen funkeln die Sterne so hell, als könnte man sie mit der Hand greifen. Willkommen im Thüringer Wald – genauer gesagt, auf dem Kickelhahn, einem der mystischsten Orte der Region.

Hier, wo die Tannen bis in den Himmel zu wachsen scheinen, gibt es eine besondere Legende: die vom „Weihnachtsberg“. Die Menschen erzählen sich, dass in der Heiligen Nacht die Sterne über dem Kickelhahn näher zur Erde kommen – so nah, dass man ihre Wärme spüren kann. Doch nicht nur die Sterne machen diesen Ort magisch. Es gibt auch die Geschichte vom „Glöckner von Ilmenau“, der in der Weihnachtsnacht spurlos verschwand – und dessen Glocke seitdem niemals wieder läutete.

Warum gerade der Thüringer Wald so viele winterliche Sagen birgt? Vielleicht, weil die dunklen Wälder, die schneebedeckten Täler und die einsamen Berge seit jeher die Fantasie der Menschen beflügeln. Hier, wo die Natur noch wild und unberührt wirkt, scheint die Grenze zwischen Wirklichkeit und Märchen besonders dünn zu sein.


Die Legende vom Weihnachtsberg

Es war einmal ein armer Holzfäller, der mit seiner Familie in einem kleinen Haus am Fuße des Kickelhahns lebte. Der Winter war hart, und das Holz wurde knapp. In der Nacht vor Heiligabend saß die Familie hungrig am Tisch, als der Vater seufzend sagte: „Wenn doch nur ein Wunder geschähe!“

Da klopfte es an der Tür. Draußen stand ein alter Mann mit einem langen, silbernen Bart, der bis auf den Schnee fiel. „Ich habe euren Wunsch gehört“, sprach er. „Folgt mir auf den Gipfel des Kickelhahns – dort werdet ihr finden, was ihr braucht.“

Die Familie zögerte, doch die Not war groß. Also machten sie sich auf den Weg, den steilen Pfad hinauf. Als sie den Gipfel erreichten, leuchtete der Schnee in allen Farben, und die Sterne schienen so nah, als könnte man sie berühren. In der Mitte des Plateaus stand ein großer, mit Reif überzogener Tisch, bedeckt mit Brot, Äpfeln, Nüssen und Honigkuchen.

„Nehmt, was ihr braucht“, sagte der Alte. „Doch denkt daran: Wer in der Heiligen Nacht hierherkommt, dem wird gegeben. Wer aber gierig ist, den wird der Berg verschlingen.“

Die Familie nahm bescheiden, was sie benötigte, und als sie sich bedankten, war der Alte verschwunden. Doch als sie nach Hause kamen, glänzte in ihrer Hütte ein kleiner Stern – und von diesem Tag an hatten sie immer genug.

Seitdem heißt der Kickelhahn im Volksmund auch „Weihnachtsberg“. Und wer in der Heiligen Nacht ganz still ist, der kann Glöckchen läuten hören – das Zeichen, dass der Alte wieder unterwegs ist.


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Die Sage vom Glöckner von Ilmenau

Vor langer Zeit lebte in Ilmenau ein Glöckner, der jeden Abend die Glocken der Kirche läutete. Doch in der Nacht vor Weihnachten, als der erste Schnee fiel, verschwand er spurlos. Manche sagen, er sei von einem Schneesturm überrascht worden, andere, dass er einer geheimnisvollen Gestalt gefolgt sei, die ihn in die Berge lockte.

Doch das Seltsamste war: Seine Glocke läutete nie wieder. Die Bewohner von Ilmenau suchten ihn wochenlang, doch sie fanden nur seine Spuren im Schnee – die plötzlich am Fuße des Kickelhahns endeten.

Seitdem erzählt man sich, dass der Glöckner nicht tot ist. Stattdessen wartet er – irgendwo zwischen den schneebedeckten Tannen. Und wenn in der Heiligen Nacht der Wind durch die Bäume fegt, dann hört man manchmal ein leises, trauriges Glockenläuten – als würde er versuchen, den Menschen eine Botschaft zu schicken.

Eines ist sicher: Wer einmal in einer Winter Nacht auf dem Kickelhahn gestanden hat, wer das Glöckchen des verschollenen Glöckners gehört hat oder wer am Weihnachtsmarkt in Oberhof eine heiße Schokolade getrunken hat, der wird diesen Ort nie wieder vergessen.

Also: Schnüren Sie Ihre Wanderschuhe, ziehen Sie den Mantel an – und kommen Sie in den Thüringer Wald. Vielleicht begegnen auch Sie dem Alten mit der Glocke. Oder Sie finden auf dem Gipfel des Kickelhahns einen Tisch, gedeckt mit Gaben.

Foto: ©Gundolf Renze – Fotolia

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