Barocke Bühnenmagie: Das Ekhof-Festival 2026 in Gotha
Eine Residenzstadt mit Sinn für große Geschichten
Wenn über den Dächern Gothas die mächtigen Türme von Schloss Friedenstein auftauchen, ist der Weg zur Bühne nicht mehr weit. Die ehemalige Residenzstadt im Herzen Thüringens verbindet einen angenehm überschaubaren Stadtkern mit erstaunlich viel Kulturgeschichte. Vom historischen Hauptmarkt führt der Spaziergang hinauf zu einer der größten frühbarocken Schlossanlagen Deutschlands.
Herzog Ernst I., genannt „der Fromme“, ließ Friedenstein zwischen 1643 und 1654 errichten. Heute beherbergt das Schloss Museen, historische Räume, Sammlungen – und im Westturm ein Theater, das selbst erfahrene Kulturreisende ins Staunen bringt.
Ein Theater, das Geschichte schrieb
Das Ekhof-Theater zählt zu den ältesten erhaltenen Barocktheatern der Welt. Seinen Namen trägt es zu Ehren Conrad Ekhofs, der als „Vater der deutschen Schauspielkunst“ gilt. Nachdem die Seylersche Schauspielgesellschaft 1774 nach Gotha gekommen war, entstand 1775 unter Ekhofs Leitung ein festes Hoftheater. Die Darsteller erhielten Einzelverträge, regelmäßige Gehälter und sogar eine Pensionskasse – für die damalige Theaterwelt ein bemerkenswert modernes Modell. Weil der herzogliche Zuschuss nicht ausreichte, durften bald auch zahlende Bürger die Vorstellungen besuchen.
Das Ensemble brachte französische Klassiker, Lessing, Goldoni, Shakespeare und Molière auf die Bühne. Zudem entwickelte der Gothaer Hofkomponist Georg Anton Benda hier mit Werken wie „Ariadne auf Naxos“ die neue Gattung des Melodrams.
Kulissenwechsel in acht Sekunden
Der eigentliche Star des Hauses verbirgt sich über und unter den Brettern: die hölzerne Bühnenverwandlungsmaschine aus dem 17. Jahrhundert. Über Kulissenwagen, Seile und große Wellbäume können seitliche Kulissen, Deckenelemente und Hintergrundprospekte nahezu gleichzeitig ausgetauscht werden. Innerhalb weniger Sekunden wird aus einem Palast ein Wald oder aus einem Saal eine Straße.
Auch Wind, Regen, Donner und überraschende Auftritte aus der Versenkung gehören zum historischen Repertoire. Wenn Holzkugeln durch den Donnerschacht poltern und hinter den Kulissen ein Dutzend Helfer an der Illusion arbeitet, wird Theatermechanik zum sinnlichen Erlebnis.
AnzeigeMolière, Musik und große Gefühle
Das Ekhof-Festival 2026 läuft vom 23. Mai bis 4. Oktober 2026. Eröffnet wird es mit dem Kammerkonzert „Souvenir de Florence“ und Werken von Tschaikowski und Brahms. Es folgen unter anderem das Melodram „Medea“, die Oper „Orpheus“ sowie als schauspielerischer Mittelpunkt Molières Komödie „Die Schule der Frauen“. Die Premiere ist für den 10. Juli angesetzt; weitere Aufführungen folgen bis Anfang August.
Im September reicht das Programm von der „TonMalerei“ mit Countertenor Nils Wanderer über „Chanson d’amour“ bis zu Georg Anton Bendas „Romeo und Julie“. Das Kammerkonzert „Das Schofar – Der Klang des ewigen Rufs“ beschließt am 3. Oktober die Reihe der angekündigten Abendveranstaltungen.
Selbst Donner machen: „Hinter den Kulissen“
Die multimediale Dauerausstellung „Hinter den Kulissen – Das Ekhof-Theater neu erleben“ ergänzt den Vorstellungsbesuch ideal. Nachbauten historischer Effektmaschinen laden dazu ein, Wind, Regen und Donner selbst zu erzeugen. Filmsequenzen, Animationen und eine deutsch-englische VR-Anwendung versetzen das Publikum in einen Probenalltag um 1775 – mit Conrad Ekhof als virtuellem Begleiter.
Gut zu wissen
Spielort ist das Ekhof-Theater im Westturm von Schloss Friedenstein, Schlossplatz 1, 99867 Gotha.
Vom Bahnhof führt ein etwa zehnminütiger Fußweg durch den Schlosspark. Autofahrer erreichen Gotha über die A4 und die B 247.
Die Ausstellung ist von April bis Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Für Vorstellungen empfiehlt sich eine frühzeitige Kartenbuchung. Denn wenn das Glöckchen erklingt und die Kulissen knarrend in Bewegung geraten, stehen im Ekhof-Theater nicht nur Schauspieler auf der Bühne – sondern fast 350 Jahre Theatergeschichte.
Titelfoto: ©Elnur – Fotolia.com
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